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Römische Münzen im Salzkammergut – Einzelfunde und Hortfunde als Zeugnisse von Handel, Verkehr und Krisenzeiten*

Ursula Schachinger

HLK-Blog 08/2026 (22. 5. 2026)

Die Fundbereiche und Fundplätze in der Region (1 Kampwald, 2 Pichl-Kainisch, 3 Unterkainisch-Kalßwirt, 4 oberes Koppental, 5 mittleres Koppental, 6 unteres Koppental, 7 Obertraun-Traunweg, 8 Hallstatt-Lahn, 9 Michlhallberg, 10 Pötschenwand, 11 St. Agatha, 12 Krungl, 13 Tauplitz)
Abb. 1: Die Fundbereiche und Fundplätze in der Region © Kartengrundlage: DORIS, BEV. Bearbeitung: Ursula Schachinger

Die römischen Münzfunde des Salzkammergutes eröffnen einen detaillierten Einblick in Geldflüsse, Verkehrswege, Infrastruktur und Ressourcennutzung im alpinen Hinterland Noricums (Abb. 1). Zwei Horte – der Komplex aus dem Kampwald mit Schlussmünzen von 241/243 n. Chr. und der jüngere Hort von der Pötschenwand mit Schlussdatum 271 n. Chr. – sowie zahlreiche Einzelfunde markieren Eckpunkte einer Entwicklung, die vom wirtschaftlichen Aufschwung des 2. Jahrhunderts und den administrativ stabilen 240er-Jahren bis zu den geldpolitischen Verwerfungen der 270er sowie dem Versiegen des Geldzustroms Ende des 4. Jahrhunderts reicht.
Grundlegende archäologische Forschungen zum Münzschatz und zur Siedlungsstruktur im Bad Mitterndorfer Becken sowie zum Münzschatz im Kampwald führte Stefan Groh im Rahmen des von ihm geleiteten FWF-Projekts „Inter Alpes Noricas – Römische Ressourcenerschließung” durch.[1]

Der Schatzfund vom Kampwald – ein kriminalarchäologischer Präzedenzfall

Prägefrische und stempelgleiche Münzen des Typs RIC 95 (VIRTVTI AVGVSTI).
Abb. 2: Prägefrische und stempelgleiche Münzen des Typs RIC 95 (VIRTVTI AVGVSTI). © Niki Gail (ÖAW/ÖAI)
Streumuster der Münzen des Schatzfundes vom Kampwald (grün: Silbermünzen, orange: Bronzemünze, blauer Rahmen: Grabungsfläche).
Abb. 3: Streumuster der Münzen des Schatzfundes vom Kampwald© Grafik: ÖAW/ÖAI. Bearbeitung: Ursula Schachinger, Iris Koch (Universität Graz

1. Inhalt, Datierung und Wert des Hortes

Der Hort vom Kampwald umfasst 575 Silbermünzen aus der Zeitspanne zwischen 146 und 241/243 n. Chr. – konkret 449 Denare und 126 Antoniniane – sowie eine bronzene Provinzialprägung Hadrians (117–138) aus Alexandria als ältestes Stück des Ensembles. Bemerkenswert ist, dass die jüngsten Prägungen von Gordian III. (vierte Emission, 241/243) in prägefrischem Zustand vorliegen und damit einen präzisen Zeitpunkt für die Deponierung bieten. Denn geringfügig frühere oder spätere Horte weisen bereits eine andere Zusammensetzung auf (z. B. Gunzenhausen/Bayern, Kösching/Bayern, Prutting-Mühltal/Bayern, Mürzzuschlag/Steiermark, Köngen/Baden-Württemberg[2]). Diese prägefrischen und zum Teil mit denselben Stempeln gefertigten Münzen trafen offenbar erst kurz zuvor direkt aus der Prägeanstalt ein, um vor Ort in Verteilung gesetzt zu werden (Abb. 2).
Numismatisch lassen sich drei chronologische Blöcke in dem Hort unterscheiden: severische Imperatorenprägungen – Denare des Septimius Severus (193–211), die in den frühen Regierungsjahren zwischen 193 und 198 in großen Quantitäten produziert wurden und die jeweiligen imperatorischen Akklamationen zählen; weiters kommt eine große Anzahl von Münzen Elagabals (218–222) und von Severus Alexander (222–235) bis 231 hinzu sowie als dritter Block die prägefrischen und großteils stempelgleichen Münzen aus Gordians vierter Emission (241/243). Die Münzverteilung des Hortes weicht damit deutlich von norischen Siedlungsnormkurven[3] ab und lässt eine Entnahme des Geldes aus dem allgemeinen Umlauf weitgehend ausschließen. Die singuläre Bronzemünze aus Alexandria (Hadrian) ist stark abgegriffen und dürfte erstvsekundär zu den Silbermünzen gelangt sein; ihre Zugehörigkeit zum Fundkomplex ist durch die unmittelbare Vergesellschaftung mit den Silbermünzen am Fundplatz jedoch gesichert (Abb. 3).
Der Wert des Hortes beträgt umgerechnet 701 Denare bzw. 2.804,5 Sesterze, was etwa einem stipendium entspricht, also rund einem Drittel des Jahresgehalts eines einfachen Legionssoldaten der Zeit. Am Existenzminimum gemessen hätte die Summe die minimalen Grundbedürfnisse für ca. 30 Monate gedeckt.

Silbermünze mit Abdruck eines stoffartigen Gewebes.
Abb. 4: Silbermünze mit Abdruck eines stoffartigen Gewebes. © Niki Gail (ÖAW/ÖAI)

2. Fundplatz und Art der Deponierung

Die Münzen lagen verstreut am Waldboden, wobei im 3D-Modell der bei der Auffindung exakt eingemessenen Münzen eine Konzentration im Wurzelbereich eines Baumes und eine Verdünnung in nordöstliche Richtung erkennbar ist[4]. Einzelne Gruppen lagen mehrere Meter entfernt. Angesichts der großen Dynamik in Waldböden, noch dazu über eine Zeitspanne von über 1.700 Jahren (Bewuchswechsel, Wurzelbewegungen, Verwitterung, Erosions- und Akkumulationsprozesse), ist ein kohärentes Wurf- oder Streumuster zwar nur eingeschränkt rekonstruierbar, doch sicher ist jedenfalls die Zusammengehörigkeit der Objekte.
Bauliche Strukturen oder markante Geländemerkmale, die auf eine planvolle Niederlegung deuten könnten, fehlen. Zusätzlich stützt die topografische Situation nahe der antiken Wegtrasse von Pichl-Kainisch ins Ennstal die Interpretation eines raschen Ereignisverlaufes, der als Verlust oder im Zuge einer Verfolgung abgeworfenes Gut gedeutet werden könnte. Fehlende Behältnisreste (aus Holz oder Keramik) sprechen dafür, dass die Münzen in einem organischen Beutel transportiert wurden. Angesichts des Gesamtgewichtes von etwa 1,5 Kilogramm und eines Volumens von 0,5 Liter erwiese sich ein Stoffbeutel als durchaus praktikabel. Ein in eine einzelne Münze eingedrückter Stoffabdruck (feines Leinen) belegt indirekt ein textiles Behältnis (Abb. 4).

Beifunde des Schatzfundes vom Kampwald. Fingerglied und Eisenring.
Abb. 5: Beifunde des Schatzfundes vom Kampwald. Fingerglied und Eisenring. © Ursula Schachinger

3. Verbrannte Münzen und weitere Beifunde

Ein Teil der Münzen weist Brandspuren auf. Gemeinsam mit den prägefrischen und stempelidenten Stücken spricht dies für eine unmittelbare Entnahme aus einer offiziellen Kasse, der ein punktuelles Brandereignis vorausgegangen sein könnte. Die weiteren Beifunde sind außergewöhnlich: Ein abgetrenntes Fingerglied und ein Eisenring lagen im zentralen Bereich der Münzstreuung, ein Befund, der bislang keine Parallelen kennt (Abb. 5). Diese Vergesellschaftung ist ein starkes Indiz für ein irreguläres, womöglich gewaltsames Geschehen – bis hin zu einem Raub. Methodisch gilt zwar, dass nicht-numismatische Beifunde oft den Schlüssel zur Rekonstruktion individueller Hort-Biografien bilden; ihre Bewertung verlangt allerdings eine genaue Kontextprüfung, weil Synchronizität und funktionale Zusammengehörigkeit nicht automatisch gegeben sind. Hier ist ein Zusammenhang jedoch aus der Befundsituation gesichert.

Münztypen der Siedlungsfunde von Pichl-Kainisch (Nr. 126, 127, 131, 134), die auch im Depot vom Kampwald (Nr. 48, 61, 358–361, 471) auftreten.
Abb. 6: Münztypen der Siedlungsfunde von Pichl-Kainisch (Nr. 126, 127, 131, 134), die auch im Depot vom Kampwald (Nr. 48, 61, 358–361, 471) auftreten. © Niki Gail (ÖAW/ÖAI)

4. Pichl-Kainisch als logistisches Drehkreuz und ein mögliches Raubszenario

Pichl-Kainisch war ein Straßenvicus mit Verteilerfunktion an einem Verkehrsknoten, wo Güter umgeschlagen und Bergbauprodukte verladen wurden. Die Siedlung ist eng in die regionale Ressourcenerschließung (Michlhallberg, Hallstatt) eingebunden. Das Siedlungsbild ist durch einfache Holzbauten beiderseits der Straßentrasse geprägt[5], ähnlich wie beispielsweise in der Zollstation Ad Enum[6], ein wichtiger Umschlagplatz für Waren über den Inn. Eine Verwaltungsstation mit öffentlicher Kasse ist daher vorauszusetzen. Seit der Mitte des 2. Jahrhunderts ist kontinuierlicher römischer Geldzustrom in Pichl-Kainisch belegt, der nicht nur ökonomische Transferbewegungen, sondern auch regelmäßige Gehalts- und Kassentransfers für offizielle Funktionsträger impliziert.
Eine Reihe von Münzfunden aus dem Vicus und entlang der Koppental-Route stammt nicht nur aus denselben Emissionen, sondern zeigt auch technische Übereinstimmungen (einheitliche Patina, Brandspuren, minimale Umlaufspuren), was als Hinweis auf eine gemeinsame Herkunft zu werten ist (Abb. 6). Diese ist wohl von der Existenz einer offiziellen Kasse in Pichl-Kainisch ableitbar. In der Prinzipatszeit wurden öffentliche Gelder in den Provinzen hinterlegt und durch ein ausgefeiltes Verrechnungssystem mit mehrfachen Ausfertigungen kontrolliert; so konnten mitunter große und gefahrenanfällige Geldtransporte reduziert werden[7]. Für Pichl‑Kainisch kommt entweder eine lokale Kasse der Provinzialverwaltung oder eine Unterkasse des patrimonium in Betracht. Die praktische Abwicklung dürfte jedenfalls von Ovilavis (Wels) aus erfolgt sein. In Pichl-Kainisch befand sich demnach ein kleiner Verwaltungsposten, an dem die sichere Verwahrung von Geldreserven für laufende Zahlungen gewährleistet war – etwa in einem Tresor, einer Truhe (arca) oder einer Kiste (cista).
Die prägefrischen Antoniniane von 241/243 sind als Rest einer kurz zuvor eingetroffenen Geldlieferung zu deuten. Zahlreiche Münzen zeigen Brandspuren, die auf ein kurzzeitiges, lokal begrenztes Feuer in oder im unmittelbaren Umfeld der Kasse vor der Mitte des 3. Jahrhunderts hindeuten. Da kurz zuvor sowohl eine Lieferung eingetroffen sein dürfte als auch ein Zahltag (1. Januar, 1. Mai oder 1. September) stattgefunden hatte, erklärt sich daraus der geringe verbliebene Geldrest in der Kasse. Dieser wurde kurz nach dem Brandereignis oder noch währenddessen aus seinem Aufbewahrungsort entfernt und gelangte in den Kampwald.
Mit dem Geld wurden dort auch eine alexandrinische Provinzialmünze, ein abgetrenntes Fingerglied und ein Eisenring vereint. Der eiserne Siegelring lässt sich als Statussymbol eines vor Ort tätigen Funktionsträgers deuten, bei dem es sich vermutlich um einen Offizier oder einen römischen Verwaltungsbeamten (ritterlichen Ranges oder auch einen Freigelassenen) handelte.
Die Bronzemünze dürfte im Zuge militärischer Truppenbewegungen in die Region gelangt sein: Die legio II Traiana fortis war in Alexandria stationiert, wurde unter Severus Alexander (232/233) in den Osten verlegt und später unter Maximinus Thrax teilweise an die Rhein‑Donau-Grenze abgezogen. Auf diesem Weg könnte die Münze direkt oder indirekt mit Soldaten in den norischen Raum gelangt sein. Als provinzielles Buntmetall konnte sie vor Ort unproblematisch wie reichsrömisches Kupfergeld im Wert eines Dupondius zirkulieren.
Zur Zeit der Schlussmünzen des Kampwald-Hortes herrschten in der Region noch stabile wirtschaftliche Verhältnisse; Verwaltung und Geldverkehr funktionierten, Bergbau und Transport sorgten für kontinuierliche Geldflüsse, und die gleichzeitigen Einbrüche an der obergermanisch-rätischen Grenze wirkten sich vor Ort offenbar nicht unmittelbar aus.
Der Kampwald-Hort weist keine Merkmale einer geplanten Deponierung auf, sondern deutet auf ein plötzliches, wahrscheinlich irreguläres Ereignis im Umfeld einer lokalen Verwaltungskasse in Pichl-Kainisch hin. Prägefrische Münzen, Brandspuren und die außergewöhnlichen Beifunde sprechen für eine kurzfristige Entnahme und Verlagerung unter besonderen Umständen. In diesem Zusammenhang ist ein gewaltsames Szenario nicht ganz von der Hand zu weisen, etwa ein Raub, eine Verfolgung oder eine vergleichbare Situation, in der das Geld hastig beiseite geschafft wurde. Über die Gründe, warum der Hort letztlich im Waldboden verblieb, lässt sich nur spekulieren.

Der Schatzfund von der Pötschenwand – kultische Deponierung in liminaler Landschaft

Aufstieg zur Felswand und Bergung des Schatzfundes durch die Mitglieder des Vereins HEFOSA.
Abb. 7: Aufstieg zur Felswand und Bergung des Schatzfundes durch die Mitglieder des Vereins HEFOSA. © Matthias Pointinger (Verein HEFOSA)

1. Inhalt, Datierung und krisenhafte Geldentwicklung

Der Schatzfund von der Pötschenwand umfasst insgesamt 154 Antoniniane des 3. Jahrhunderts; ein Behältnis ist nicht nachweisbar. Ergänzend trat als sekundärer Beifund ein einzelner spätrömischer Follis aus dem Jahr 337 aus Siscia auf, der eindeutig nicht zum ursprünglichen Fundkomplex gehört. Im Vergleich zu zeitgleichen Horten, die teils mehrere hundert bis tausende Münzen umfassen (z. B. Strettweg/Steiermark[8], Salzburg/Mitterbacherbogen[9], Baldersdorf/Kärnten[10]), handelt es sich um eine bescheidene Geldsumme, die kein bedeutendes Vermögen darstellte. Eine wirtschaftliche Rücklage kann damit weitgehend ausgeschlossen werden.
Der Hort schließt mit einer Prägung von 271 n. Chr. und gehört folglich in die Phase der monetären und politischen Krise des 3. Jahrhunderts, die nach 270 ihren Höhepunkt erreichte. Vergleichbare Depots zeigen für die 270er-Jahre eine außergewöhnlich hohe Umlaufgeschwindigkeit der Antoniniane; bereits geringfügig spätere Schlussmünzen führen zu deutlich veränderten Zusammensetzungen vergleichbarer Horte.
Diese Phase ist durch eine stark beschleunigte Umlaufdynamik, häufige Deponierungen und tiefgreifende geldpolitische Eingriffe geprägt. Die drastische Reduktion des Edelmetallgehalts, die zeitweilige Schließung der Münzstätte Rom sowie die Einführung größerer Nominale führten zu einer erheblichen Destabilisierung des Geldsystems und verstärkten inflationäre Entwicklungen im gesamten Reich. Vor diesem Hintergrund ist der Schatzfund von der Pötschenwand als typischer Antoninian-Hort der frühen 270er-Jahre zu verstehen, der die damaligen Veränderungen in Umlauf und Geldstruktur deutlich widerspiegelt.

Der Fundbereich vom Michlhallberg (1) bis St. Agatha (2) mit der Fundstelle des Schatzfundes Pötschenwand.
Abb. 8: Der Fundbereich vom Michlhallberg (1) bis St. Agatha (2) mit der Fundstelle des Schatzfundes Pötschenwand. © Kartengrundlage: DORIS, BEV. Bearbeitung: Ursula Schachinger

2. Exponierte Fundlage und topographischer Kontext

Der Hort wurde in einer schwer zugänglichen Felsspalte der Pötschenwand aufgefunden, einer etwa 100 m hohen, senkrecht aufragenden Felswand mit zahlreichen Spalten, Ritzen und kleinen Höhlen (Abb. 7)[11]. Der Zugang war nur kletternd oder mit Stamm- oder Astleitern möglich. Vom Fundplatz bestand eine direkte Sichtverbindung zur Bergbausiedlung am Michlhallberg; dazwischen befindet sich das Leislingtal, das die Siedlung mit St. Agatha[12] (Bad Goisern) und der dortigen Straßenstation verband. Auch vom Bergstock des sogenannten Spielsteins aus (Fundort eines verschollenen Schatzes der 240er-Jahre)[13], der als Wach- und Beobachtungsstation[14] diente, war der Deponierungsplatz einsehbar (Abb. 8). Aufgrund vermutlich geringeren Bewuchses war eine Veränderung am Platz gut zu bemerken; der Standort war damit leicht zu überwachen. Ob bauliche Installationen im Bereich des Fundplatzes vorhanden waren, lässt sich nicht mehr mit Sicherheit klären. Möglich sind insbesondere vergängliche Holzkonstruktionen oder ein offener Schrein (open air-Heiligtum), von denen aufgrund starker Erosionsprozesse keine Reste erhalten geblieben sind.
Das Gelände ist stark zerklüftet und von Tälern und markanten Felsformationen geprägt. Abrupte Wetterumschwünge sind typisch, und Naturereignisse wie Muren, Bergstürze und Lawinen sind keine Seltenheit. Der markante Felsblock des Spielsteins, dessen genaue Lage sich heute nicht mehr verifizieren lässt, dürfte im Zuge von Muren und Felsstürzen abgebrochen sein. Die Depotfundstelle liegt damit in einem dynamischen Gefahrenraum, wo Wetterkapriolen und Naturkatastrophen häufig waren.

3. Sakrale Konnotation in liminaler Landschaft

Die exponierte, eindrucksvolle Lage des Verstecks in einer Felswand, wo abrupte Wetterumschwünge sowie Naturgewalten wie Felsstürze, Überflutungen oder Hangrutschungen jederzeit in Katastrophen umschlagen konnten, verweist auf einen topographischen Kontext, der als liminaler Raum verstanden werden kann – als Schwellenbereich zwischen profaner und sakraler Sphäre, der in zahlreichen Kulturen bevorzugt für rituelle Deponierungen genutzt wurde. Höhlen galten dabei als Schnittstellen zwischen Diesseits und Jenseits und wurden bevorzugt als Orte ritueller Kulthandlungen genutzt (vgl. Gradišče/Sankt Egyden, Zillis, Moste bei Žirovnica[15]). Vergleichbare Befunde, etwa die zahlreichen Hortfunde des 3. Jahrhunderts in Höhlen in Britannien[16], belegen die weite Verbreitung solcher Praktiken in markanten Landschaftsräumen.
Für die Pötschenwand deuten die exponierte Lage, mögliche Sichtbezüge zu markanten Geländepunkten, das Fehlen pragmatischer Deponierungsmerkmale sowie die geringe Geldsumme auf eine rituelle Handlung. Entsprechende Niederlegungen sind auch entlang der Verkehrswege nach Hallstatt und Bad Goisern anzunehmen, wo Münzen als Weihegaben für eine sichere Passage in risikoreichem Gelände deponiert worden sein könnten.
In unmittelbarer Nähe, im Bereich des bereits erwähnten Spielsteins, ist ein weiterer Hort überliefert, der bei der Auffindung jedoch eingeschmolzen wurde und daher nicht mehr erhalten ist. Seine Niederlegung war mit hoher Wahrscheinlichkeit kultisch motiviert, vermutlich als prophylaktisches Opfer gegen die in der Region gefürchteten Naturgefahren, die als Manifestation göttlicher Mächte verstanden wurden.
In der römischen Zeit war das Verhältnis zu den Göttern vor allem pragmatisch und handlungsorientiert. Man verstand rituelle Handlungen als standardisierte, sozial eingebettete Praktiken, mit denen Unsicherheit kontrolliert und der „störungsfreie Kontakt” zu den sakralen Mächten stabilisiert werden sollte. Opfergaben, Niederlegungen und andere Rituale dienten der Absicherung von Alltag, Wirtschaft und sozialer Ordnung; die dahinterstehende Religiosität ist weniger als persönliche Spiritualität zu begreifen denn als soziale Konvention zur Verankerung der eigenen Identität in der Gruppe. Diese „Alltagsreligion” blieb in Form von Sitten und Bräuchen auch noch in der Spätantike wirksam, allerdings bereits von ihrem ursprünglichen religiösen Kontext getrennt.
Zentrales Prinzip war do ut des: Man gab der Gottheit etwas, um im Gegenzug Schutz, Gelingen oder Abwehr eines Unheils zu erlangen. Dies zeigt sich etwa bei Opferhandlungen an verkehrstechnisch markanten Orten (z. B. Brücken[17], Pässen und Übergängen[18]) oder in Bergbauzonen, wo man die Gottheiten für die Entnahme von Ressourcen symbolisch remunerierte. In Regionen mit rauem Klima und zerklüftetem Gelände wurden unberechenbare Wetterereignisse besonders intensiv wahrgenommen, was durch eine rituelle Vorschussleistung kompensiert werden sollte.
Vor diesem Hintergrund kann das Depot von der Pötschenwand als kultisch motivierte Handlung im Kontext eines durch Naturgefahren geprägten Landschaftsraums interpretiert werden, in dem religiöse Praxis und die Bewältigung von Unsicherheit eng miteinander verknüpft waren.

Einzelfunde und Geldzirkulation im Salzkammergut – Wegenetz, Verwaltung und Ressourcennutzung

Jahresindexdiagramm der Einzelfunde aus dem Vicus von Hallstatt-Lahn.
Abb. 9: Jahresindexdiagramm der Einzelfunde aus dem Vicus von Hallstatt-Lahn.© Grafik: Ursula Schachinger

1. Beginn der römischen Geldzirkulation

Die Einzelfunde von Münzen im Salzkammergut liefern einen diachronen Rahmen für die Verwendung römischen Geldes in der Region. Entlang der antiken Trasse durch das Koppen- und Kainischtal bis in das Mitterndorfer Becken sind intensive monetäre Aktivitäten nachweisbar, die zunächst eng mit der wirtschaftlichen Entwicklung des Vicus Hallstatt-Lahn verknüpft sind.
Dort setzt ein regelmäßiger Zustrom römischer Münzen in hadrianischer Zeit (117–138) ein. Im 2. Jahrhundert erreichen die Münzverlustraten im Hallstätter Vicus ihren Höhepunkt und fungieren als verlässlicher Indikator wirtschaftlicher Prosperität. Diese Einschätzung wird durch die archäologischen Befunde gestützt: Hypokaustenheizungen, Wandmalereien und repräsentative Bestattungen verweisen auf eine wohlhabende und infrastrukturell gut ausgestattete Siedlung, deren wirtschaftliche Grundlage im Salzbergbau und in begleitenden Gewerben lag.
Im 3. und 4. Jahrhundert bleiben vergleichbare Zuwächse der Verlustraten jedoch aus (Abb. 9). Der ökonomische Schwerpunkt verlagert sich offenbar von Hallstatt-Lahn über Pichl-Kanisch in Richtung Michlhallberg.

Summendiagramme der Fundmünzen von Hallstatt-Lahn, Pichl-Kainisch und vom Michlhallberg.
Abb. 10: Summendiagramme der Fundmünzen von Hallstatt-Lahn, Pichl-Kainisch und vom Michlhallberg. © Grafik: Ursula Schachinger
Deformierter Gold-Solidus des Arcadius (383–408) aus Pichl-Kainisch.
Abb. 11: Deformierter Gold-Solidus des Arcadius (383–408) aus Pichl-Kainisch. © Foto: Niki Gail (ÖAW/ÖAI)
Vergleichsbeispiel eines Solidus des Arcadius von Typ VICTORIA AVGG aus Mediolanum. Spink, Auction vom 22. 9. 2014 (Los 690).
Abb. 12: Vergleichsbeispiel eines Solidus des Arcadius von Typ VICTORIA AVGG aus Mediolanum. Spink, Auction vom 22. 9. 2014 (Los 690). © URL: https://www.acsearch.info/search.html?id=3994017 (10. 11. 2025)

2. Pichl-Kainisch und der Michlhallberg: Verwaltung und Bergbau im regionalen Rahmen

Im Vicus von Pichl-Kainisch sind seit der Mitte des 2. Jahrhunderts kontinuierliche römische Geldzuflüsse belegt, wenngleich der Beginn der monetären Zirkulation geringfügig später einsetzt als in Hallstatt (Abb. 10). Dies spricht für eine verkehrstechnische Erschließung der Region direkt über Hallstatt und indirekt von der Provinzhauptstadt Ovilavis aus. Die Geldaktivität bleibt bis in die severische Zeit (frühes 3. Jahrhundert) auf hohem Niveau. Der Ort entwickelte sich zu einem Straßenvicus mit administrativer Funktion. Angesichts der zentralen Bedeutung des Bergbaus ist von einer dauerhaften Präsenz offizieller Funktionsträger zur Organisation, Verwaltung und Sicherung der Abbaureviere auszugehen, deren regelmäßige Entlohnung eine kontinuierliche Geldversorgung erforderte.
Ab der Mitte des 2. Jahrhunderts lässt sich in Pichl-Kainisch ein nachhaltiger wirtschaftlicher Aufschwung bis in die Severerzeit erkennen; insbesondere das Transportgewerbe entlang der Traun erlebte eine Blüte und setzte sich im Verlauf des 3. Jahrhunderts fort, während Hallstatt seinen monetären Höhepunkt bereits überschritten hatte. Zwar bleibt die Geldzirkulation in Pichl auch im 3. Jahrhundert stabil, nimmt jedoch im 4. Jahrhundert deutlich ab, was auf einen schrittweisen Bedeutungsverlust der Siedlung hindeutet. In dieser Phase verlagerten sich die Transportwege offenbar direkter vom Michlhallberg über das Leislingtal oder die Pötschenroute in Richtung Traunweg nach Ovilavis. Dennoch scheint ein kleiner Verwaltungsposten weiterhin bestanden zu haben, wofür der Fund eines goldenen Solidus des Arcadius (383–408) spricht (Abb. 11 und 12). Denn offizielle Funktionsträger erhielten auch in der Spätantike noch ein regelmäßiges Salaire in Edelmetallgeld. Die Präsenz des Goldstückes belegt somit die Anwesenheit eines solchen Funktionärs[19].
Besondere Aufmerksamkeit verdient die gezielte beidseitige Manipulation dieser Münze (Abb. 11): Sowohl die Kaiserbüste auf dem Avers als auch die thronenden Kaiser Theodosius I. und Arcadius auf dem Revers wurden durch tiefe Einhiebe systematisch unkenntlich gemacht; zusätzliche Hammerschläge verformten das Stück erheblich. Art und Intensität der Eingriffe gehen deutlich über übliche Probierkerben oder Umlaufschäden hinaus und sind als bewusster antikaiserlicher Akt zu interpretieren. Im Kontext der Religionsgesetzgebung seit den 380er-Jahren könnte dieses ikonoklastisch anmutende Vorgehen auf ein ideologisch motiviertes, möglicherweise heidnisch-senatorisches Umfeld verweisen, wie es aus der Opposition der römischen Oberschicht bekannt ist. Mit aller Vorsicht ließe sich in diesem Zusammenhang auch an lokale Widerstandsformen im Ausseerland denken, wenngleich direkte Belege hierfür fehlen.
Unweit dieses Verwaltungszentrums und Verkehrsknotens befand sich am Michlhallberg eine bedeutende Bergbausiedlung, in der spätestens seit severischer Zeit Salz gewonnen wurde[20]. Die Verbindung erfolgte über kontrollierte Verkehrswege zu den Abbaugebieten von Hallstatt sowie über den Pötschenpass[21] und das Leislingtal nach Bad Goisern mit Anschluss über die Traunachse an die Donau und die Provinzhauptstadt Ovilavis. In der Nähe der Siedlung wurde ein Mundloch mit mächtiger Schutthalde, Funden von bergmännischem Gerät (Hämmer, Blockamboss, Doppelspitzeisen) und Münzen dokumentiert[22]. Münzverluste, insbesondere des 3. und frühen 4. Jahrhunderts, belegen eine intensive Nutzung des Areals von der severischen Zeit bis in die Spätantike und damit den kontinuierlichen Betrieb des Bergbaus einschließlich der erforderlichen Infrastruktur, Verkehrslogistik sowie Versorgungs- und Instandhaltungsprozesse.
Hinweise auf ein lebendiges Kultgeschehen ergeben sich nicht nur aus dem Hortfund von der nahegelegenen Pötschenwand, sondern auch aus Münzfunden entlang der Verkehrswege und an markanten topographischen Punkten.

Aes Grave-As mit Darstellung des Januskopfes und eines Schiffsvorderteils (Dm. 6 cm).
Abb. 13: Aes Grave-As mit Darstellung des Januskopfes und eines Schiffsvorderteils (Dm. 6 cm). © Katharina Rohringer, Welterbemuseum Hallstatt
Fundbereiche (1 Unterkainisch-Kalßwirt, 2 Paulpötschen, 3 Quellfundstelle „Saustall“, 4 Quellfundstelle „Schlömmingerquelle“, 5 Koppentretalm) und Einzelmünzfundstellen (orange Punkte) im Koppental.
Abb. 14: Fundbereiche und Einzelmünzfundstellen im Koppental. © Kartengrundlage: DORIS, BEV. Bearbeitung: Ursula Schachinger
Tessera aus Rom aus der Zeit des Tiberius (14–37); gefunden an der Quellfundstelle Paulpötschen.
Abb. 15: Tessera aus Rom aus der Zeit des Tiberius (14–37); gefunden an der Quellfundstelle Paulpötschen. © Niki Gail (ÖAW/ÖAI)

3. Liminale Orte und rituelle Niederlegungen im Verkehrsnetz

Die Befunde der gesamten Region unterstreichen die Bedeutung von „Schwellenlandschaften” für Deponierungen. Markante Felsen, Höhlen, Gewässer, Hügel mit Sichtachsen sowie Wege in Rohstoffzonen bilden bevorzugte Ablageorte für rituell motivierte Niederlegungen. Die Pötschenwand und der Spielstein sind als paradigmatische Fälle einer solchen „kultischen Landschaftsinterpretation” zu verstehen, eingebettet in eine Topografie, die mit existenziellen Risiken (Bergstürze, Lawinen) assoziiert wurde und die kultische Sicherung in Form von Opfergaben nahelegt.
Entsprechende Deponierungen treten auch als Einzelfunde entlang der Verkehrswege durch das Kainisch- und Koppental sowie in Richtung Obertraun und Hallstatt auf. Dort befanden sich bereits in prähistorischer Zeit Quellheiligtümer, die in der Römerzeit durch Münzdeponierungen weiter genutzt wurden. Im Quellbezirk Hirschbrunn südöstlich von Hallstatt, einem Bereich mit Karstquellen, Höhlen und Stollen (u. a. dem Goldlochstollen), wurden intentional niedergelegte Objekte geborgen, darunter römische Münzen[23]. Ein außergewöhnliches Ensemble aus drei ägyptischen Osiris-Statuetten sowie einem vollgewichtigen Libralas (Aes grave-As) weist deutlich über lokale Kontexte hinaus. Bei dem Geldstück handelt es sich um ein bronzenes, gegossenes Vollgewichtsstück (As) von einem römischen Pfund (libra) zu etwa 300 Gramm aus dem späten 3. Jahrhundert v. Chr. (Abb. 13) Es dürfte trotz der langen Laufzeit römisch-republikanischer Münzen im Regelfall eher in einem spätlatènezeitlichen, sakralen Kontext zu verorten sein.
Auch im Koppental sind zahlreiche prähistorische Quellfundstellen belegt[24], deren kultische Nutzung sich teilweise bis in die Römerzeit fortsetzte (Abb. 14). Münzfunde des 2. bis 4. Jahrhunderts n. Chr. stützen die Interpretation als Wasser- bzw. Quellopfer. Hervorzuheben ist ein Fund aus der Quellfundstelle Paulpötschen: eine Tessera aus der Zeit des Tiberius (14–37 n. Chr.), vermutlich ein Spielstein (tessera lusoria) eines in der frühen Kaiserzeit verbreiteten Brettspiels (Abb. 15). Typologisch sind solche Stücke mit bildlichen Darstellungen auf der Vorderseite und Zahlen auf der Rückseite bislang fast ausschließlich aus dem urbanen Kontext Roms bekannt, wodurch der Fund aus dem Koppental eine besondere Signifikanz erhält. Seine Präsenz in dieser alpinen Randlage wirft Fragen auf: Wie gelangte das Objekt hierher – über Soldaten, Händler, Reisende, vielleicht als persönlicher Talisman?
Eine weitere Station der regionalen Kulttopografie ist das Lieglloch bei Tauplitz[25], eine markante Höhle mit weithin sichtbarem Portal (Abb. 16). Höhlen fungieren hier wie anderswo als Schnittstellen zwischen den Welten, als liminale Orte zwischen Ober‑ und Unterwelt. Sichtbarkeit und Zugänglichkeit des Portals, der abrupte Übergang von Licht zu Dunkel, die akustischen Effekte und das oft präsente Sickerwasser schaffen eine Umgebung, die kultische Handlungen begünstigt. Darauf weisen wiederkehrende Niederlegungen und Begehungsspuren mit begleitenden Kleinfunden. Besonders im 3. Jahrhundert sind intensive rituelle Aktivitäten zu verzeichnen, wie sich an den Münzfunden zeigt.

Zusammenfassung

Das Portal des Liegllochs auf der Tauplitz. EnnstalWiki. Lieglloch. URL: https://www.ennstalwiki.at/wiki/index.php/Datei:Lieglloch-0031-2023-06-01.jpg (10. 11. 2025). Ewald Gabardi (2023). Lizenz: CC BY 4.0
Abb. 16: Das Portal des Liegllochs auf der Tauplitz. © EnnstalWiki. Lieglloch. Ewald Gabardi (2023). Lizenz: CC BY 4.0

Die römischen Münzfunde im Salzkammergut belegen eine langfristig stabile Geldzirkulation von der 2. H. des 2. bis zum Ende des 4. Jahrhunderts, bei der sich im weiteren Verlauf die Schwerpunkte innerhalb eines eng vernetzten Systems aus Bergbau, Verkehr und Verwaltung im alpinen Raum Noricums verschieben. Im 2. Jahrhundert bildet Hallstatt den wirtschaftlichen Schwerpunkt, während sich im 3. und 4. Jahrhundert die Aktivitätszentren zum Michlhallberg als Bergbauzentrum verlagert, wobei Pichl-Kainisch als Verwaltungsposten eine zentrale Rolle spielte.
Die beiden in der Region aufgefundenen Münzschätze spiegeln verschiedene Entstehungszusammenhänge wider: Der Kampwald-Hort deutet auf ein abruptes, wahrscheinlich irreguläres Ereignis im Umfeld einer lokalen Verwaltungskasse hin, das im Zusammenhang mit einem gewaltsamen Geschehen oder einem Raubereignis zu sehen ist. Der Pötschenwand-Hort kann als kultisch motivierte Deponierung im Kontext einer krisenhaften Phase des 3. Jahrhunderts interpretiert werden, wobei die topographische Situation eine zentrale Rolle spielt. Die exponierte, schwer zugängliche Lage in einer markanten Felslandschaft sowie der durch Naturgefahren geprägte Raum sprechen für eine bewusste Wahl eines liminalen Ortes im Sinne einer kultischen Landschaftsnutzung. Ergänzt werden diese Befunde durch zahlreiche Einzelfunde entlang der Verkehrswege sowie an Quellen, Höhlen und markanten Landschaftspunkten, die sowohl wirtschaftliche Nutzung als auch rituelle Praktiken dokumentieren.

Insgesamt zeichnet sich das Bild einer dynamischen Kulturlandschaft, in der ökonomische Strukturen, staatliche Verwaltung und kultische Praktiken eng miteinander verbunden waren.

Anmerkungen

* NEUERSCHEINUNG:  Ursula Schachinger, Römische Münzen im Salzkammergut. Einzelfunde und Hortfunde als Zeugnisse von Handel, Verkehr und Krisenzeiten. Mit einem Beitrag von Stefan Groh (= Forschungen zur geschichtlichen Landeskunde der Steiermark 102, Graz 2026). – Publikation im Rahmen des  FWF-Projekts Inter Alpes Noricas – Römische Ressourcenerschließung. Grant-DOI: 10.55776/PAT5874923. Projektleitung: Hofrat Univ.-Doz. Dr. Stefan Groh, ÖAI/ÖAW

[1] Stefan Groh, Archäologische Perspektive des Münzschatzes Kampwald: Taphonomie antiken Raubguts in einem dünn besiedelten norischen Alpental (Bad Mitterndorfer Becken, Steiermark). In: Ursula Schachinger, Römische Münzen im Salzkammergut. Einzelfunde und Hortfunde als Zeugnisse von Handel, Verkehr und Krisenzeiten (= Forschungen zur geschichtlichen Landeskunde der Steiermark 102, Graz 2026), 15–42 [in Folge: Groh, Perspektiven].
[2] Prutting-Mühltal: Wolfgang Ager/Michaela Kostial-Gürtler, Im Hochwasser verloren. Der römische Silbermünzenfund aus Prutting-Mühltal bei Rosenheim (München 2013); Mürzzuschlag: Ursula Schachinger, Der antike Münzumlauf in der Steiermark. Die Fundmünzen der römischen Zeit in Österreich VI (Wien 2006), 50f.; Gunzenhausen: Hans-Jörg Kellner, Ein neuer Münzschatz beim Kastell Gunzenhausen und der Fall des raetischen Limes. In: Germania 31 (1953), 168–177; Kösching: Hans-Jörg Kellner, Die Fundmünzen der römischen Zeit in Deutschland, Abteilung I Bayern, Band 1 Oberbayern (Berlin 1960), 1115; Köngen: Matthias Ohm/Nina Willburger, Der römische Münzfund von Köngen. Zeugnis einer unruhigen Zeit (Friedberg 2017).
[3] Jahresindices sämtlicher Städte in Noricum und Rätien: Ursula Schachinger, Antike Fundmünzen aus Iuvavum/Salzburg. Numismatische Analyse und historisch-archäologische Auswertung zur Wirtschaftsgeschichte der römischen Provinz Noricum (= Archäologie in Salzburg 13, Salzburg 2023), 315–362 [in Folge: Schachinger, Iuvavum].
[4] Grundlegende archäologische Forschungen zum Münzschatz vom Kampwald: Groh, Perspektive 27–36.
[5] Grundlegende archäologische Forschungen: Groh, Perspektive 16–26; siehe auch: Daniel Modl, Archäologische Untersuchungen in einer Siedlung der Urnenfelderzeit und der Römischen Kaiserzeit in Pichl, Steiermark. Ein Vorbericht. In: Fundberichte aus Österreich 52 (2013), 43–64.
[6] Bernd Steidl, Stationen an der Brücke – Pons Aeni und Ad Enum am Inn-Übergang der Staatsstraße Augusta Vindelicum-Iuvavum. In: Gerald Grabherr/Barbara Kainrath (Hgg.), conquiescamus! longum iter fecimus. Römische Raststationen und Straßeninfrastruktur im Ostalpenraum, Akten des Kolloquiums zur Forschungslage zu römischen Straßenstationen, Innsbruck 4. und 5. Juni 2009 (Innsbruck 2010), 72–110.
[7] Reinhard Wolters, Geldverkehr, Geldtransporte und Geldbuchungen in römischer Republik und Kaiserzeit. Das Zeugnis der schriftlichen Quellen. In: Revue Belge de Numismatique et de Sigillographie 152 (2006), 23–49; bes. 41 f.
[8] Odo Burböck, Ein römerzeitlicher Münzschatz aus Judenburg-Strettweg (= Schild von Steier Beiheft 2, Graz 1984/85).
[9] Schachinger, Iuvavum 186–188.
[10] Günther Dembski, Die antiken Münzschatzfunde aus Österreich. In: Numismatische Zeitschrift 91 (1977), 3–64, F-2 [in Folge: Dembski, Münzschatzfunde]; Franz Glaser, Baldersdorf in der Römerzeit. In: Kurt Karpf/Therese Meyer (Hg.), Die große Geschichte einer kleinen Kirche. Die Magdalenenkapelle von Baldersdorf in Kärnten (Spittal an der Drau 2004), 16–33.
[11] Die Fundumstände genau dokumentierend: Daniel Modl/Karl Peitler, Der römische Münzhort von der Pötschenwand (Steiermark, Österreich). Ein neuer Verwahrfund aus Noricum mit Inflationsantoninianen. In: Schild von Steier 27/2015/2016 (2016), 276–344; bes. 276–281.
[12] Maria Windholz-Konrad, Forschungszwischenbericht über die unveröffentlichten archäologischen Maßnahmen des Bundesdenkmalamtes und der „Archäologischen Arbeitsgemeinschaft Salzkammergut” bis zum Jahr 2013 in der Steiermark und in Oberösterreich, Fundberichte aus Österreich 55 (2016), D589–D705; bes. D695–D697 [in Folge: Windholz-Konrad, Forschungszwischenbericht].
[13] Dembski, Münzschatzfunde E-3; Alexander Ruske, Die Fundregesten der antiken Münzhorte aus Österreich. In: Numismatische Zeitschrift 118 (= Festschrift Günther Dembski, Wien 2011), 53–181; bes. 112 f.
[14] Windholz-Konrad, Forschungszwischenbericht D687f., D691–D695.
[15] Vgl. z. B. Markus Peter, Münzen. In: Christa Ebnöther/Anna Flückinger u. a., Zillis. Von der spätantiken Kulthöhle zum frühmittelalterlichen Bestattungsplatz (= Archäologie in Graubünden, Sonderheft 10, Chur 2021), 81–90; Kathrin Siegl, Münzen und Münzkatalog. In: Christoph Hinker, Ein provinzialrömischer Kultplatz auf der Gradišče bei Sankt Egyden in Unterkärnten (= Sonderschriften des Österreichischen Archäologischen Instituts 62, Wien 2022), 97–115, 204–235.
[16] Roger Bland/Adrian M. Chadwick u. a. (Hgg.), Iron Age Coin Hoards in Britain (Oxford 2020), 110–112.
[17] Vgl. z. B. Ursula Schachinger, Do ut des – Cultic coin deposits at the Drava river near Rosegg/Rožek in Carinthia (Austria). Analysis of the find inventory in the Museum Archeo Norico, Deutschlandsberg (Styria, Austria). In: Journal of Ancient History and Archaeology 7/4 (2020), 58–78.
[18] Vgl. z. B. Günther Dembski, Die Fundmünzen. In: Ortolf Harl, Hochtor und Glocknerroute. Ein hochalpines Passheiligtum und 2000 Jahre Kulturtransfer zwischen Mittelmeer und Mitteleuropa (= Sonderschriften des Österreichischen Archäologischen Instituts 8, Wien 2014), 89–98; Günther Dembski/Andreas Lippert, Keltische und römische Passopfer am Mallnitzer Tauern. In: Archäologisches Korrespondenzblatt 30 (2000), 251–268; Günther Dembski/Andreas Lippert, Ein weiterer keltischer Münzopferplatz am Mallnitzer Tauern (Salzburg/Kärnten). In: Archäologisches Korrespondenzblatt 43/4 (2013), 523–534.
[19] Vgl. Passau: Bernward Ziegaus, Die Fundmünzen aus den Grabungen von Passau-Niedernburg 1978–1980. In: Helmut Bender, Die Ausgrabungen 1978–1980 in der Klosterkirche Heiligkreuz zu Passau-Niedernburg (= Materialhefte zur bayerischen Archäologie. Fundinventare und Ausgrabungsbefunde 108, Kallmünz 2018), 691–833, bes. 719–739.
[20] Gerald Grabherr, Michlhallberg. Die Ausgrabungen in der römischen Siedlung 1997–1999 und die Untersuchungen an der zugehörigen Straßentrasse (Schriftenreihe des Kammerhofmuseums Bad Aussee 22, Bad Aussee 2001).
[21] Daniel Modl/Maria Windholz-Konrad, Viele Wege führen zum Salz. Eine neu entdeckte römische Wegtrasse über den Pötschenpass im steirisch-oberösterreichischen Salzkammergut. In: Römisches Österreich 47 (2024), 87–110.
[22] Windholz-Konrad, Forschungszwischenbericht D683–D387.
[23] Karl Czech/Johann Offenberger, Bestandsaufnahme des Unterwasserkulturerbes in den Salzkammergutseen. In: Fundberichte aus Österreich 19 (1980), 55–81; bes. 74–78; Franziska Dick/Stefan Nebehay, Münzsammlung und Fundmünzen aus Hallstatt. In: Litterae Nimismaticae Vindobonenses 2 (Wien 1983), 299–336; Tf. 24–28; bes. 324, Nr. 301; Marianne Pollak, Funde entlang der Oberen Traun zwischen Hallstätter See und Traunsee. In: Fundberichte aus Österreich 42, 2003, 331–385; bes. 335–337
[24] Maria Windholz-Konrad, Quellfundstellen entlang der Traun zwischen Ödensee und Hallstättersee. „Paulpötschen-”, „Saustall-” und „Schlömmingerquelle”. In: Fundberichte aus Österreich 58 (2019), D636–D742.
[25] Ingo Mirsch, Die Archäologie des mittleren Ennstales und steirischen Salzkammergutes. In: Wolfgang Suppan (Hg.), An der Wiege des Landes Steiermark – Die Chronik Pürgg-Trautenfels (Gnas 2013), 55–194, bes. 69–72, 121.

Priv.-Doz. Mag. Dr. Ursula Schachinger, Studium der Alten Geschichte und Altertumskunde sowie der Klassischen Philologie, 2006 Habilitation im Fach „Antike Numismatik". 2002–2012 Korrespondentin, seit 2012 Mitglied der HLK.
Forschungsschwerpunkt: Antike Numismatik

 

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